© Christian Kutschenreiter

12.2.2026 News Wildere Natur

Leben zwischen Bau und Unterwasserkühlschrank

Ein von dicken Eiskrusten bedecktes Stettiner Haff. Schlittschuhlaufen auf dem Ryck. Kalt glasierte Landschaft. Dieser Winter bedenkt uns wirklich ganz besonders. Und doch, obwohl alles still zu werden scheint, arbeitet einer unermüdlich weiter – der Biber. Winterschlaf ist nicht sein Ding. Stattdessen pendeln Biber in einem ausgeklügelten System zwischen Bau, Wasser und Vorräten – selbst unter so einer dicken Eisschicht wie jetzt Anfang Februar. 

Ein Zuhause mit Eingang unter Wasser 

Wusstest du, dass Biber Sommer- und Winterburgen bewohnen?  Biber sind darauf vorbereitet den ganzen Winter ausschließlich im Bau und Wasser zu verbringen sollte sich die Eisdecke um Ihr Zuhause schließen. Der Zugang zur Burg liegt immer unter Wasser – das ist entscheidend. Biber schützen sich so vor Fressfeinden. Die Winterburg ist mit Schlamm und Pflanzenmaterial versehen und isoliert gegen die Kälte. Das einzigartige Fell des Bibers schützt ihn vor Nässe. Diese Anpassung ermöglicht ihm auch bei winterlichen Temperaturen den Zugang zum Wasser und zu seinem Nahrungsvorrat. An Land müssen Biber in dieser Jahreszeit kaum gehen. 

Der Unterwasserkühlschrank 

Schon im Herbst sorgen Biber vor. In der Nähe ihres Baus legen sie Vorräte aus frischen Ästen und dünnen Hölzern unter Wasser an, bevorzugt werden Weiden und Pappeln. Diese Nahrung wird am Gewässergrund so verankert, dass sie nicht wegtreibt. Dort wirkt das kalte Wasser wie ein natürlicher Kühlschrank: kühl genug, um die Rinde frisch zu halten, aber geschützt vor Frost. Bei Bedarf schwimmen die Tiere direkt vom Bau zu ihrem Vorrat und wieder zurück. Diese winterfesten Bedingungen entstehen nicht spontan. Biber gestalten ihre Reviere das ganze Jahr über. Sie verbinden Gewässer, Ufer und Nahrungsflächen durch ihre Stauaktivität und damit verbundenem Wasserrückhalt. So schaffen sie optimale Bedingungen für Ihr Überleben im Winter.  

Mit ordentlich Kraft 

Ganz ohne Landgang für die Nahrungssuche geht es manchmal trotzdem nicht. “Erwachsene Biber können eine Eisdicke von ungefähr 2 bis 3 Zentimeter durchbrechen Sie schwimmen so nah wie es geht bis ans Ufer und stemmen sich dann von unten gegen die Eisdecke, brechen so hindurch wie ein U-Boot. 
 
Kleine Biber schaffen vielleicht 1 bis 2 Zentimeter. Das Foto ist so entstanden, dass die Biber über einen Zeitraum von 2 Wochen das Eisloch jede Nacht wieder geöffnet und aufgebissen haben. Über den Tag fror es dann wieder zu. Doch sie haben das Eis jede Nacht wieder aufgebrochen und kreisförmig aufgebissen. Die entstandene Eiswürfelsuppe, die im Loch umher schwamm, haben sie unter die Eisoberfläche gestopft damit es nicht gleich wieder zufriert.” (Zitat: Christian Kutschenreiter

 

Ein Biber schaut aus einem Loch im Eis heraus © Christian Kutschenreiter

 

Die Biber-Wirkung 

Biberlebensräume schaffen eine Vielfalt aus flachen und tiefen Bereichen, ruhigem und fließendem Wasser sowie überfluteten Ufern. Diese Strukturen erhöhen die die Vielzahl an Arten, bieten Winterrefugien für viele Arten und stellen natürliche Funktionen selbst in stark regulierten Gewässern wieder her. 

Für Rewilding ist der Biber daher keine Begleitart. Er ist ein aktiver Gestalter der Lebenslandschaft – das ganze Jahr über.