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26.2.2026 Stimmen Porträt

Die Landschaftsmacher - Im Gespräch mit Frank Götz-Schlingmann

Frank Götz Schlingmann, 64, ist Natur- und Landschaftsführer und im Team des Rewilding Oder Delta e.V für die regionale Netzwerkkoordination zuständig. Hier spricht er über seine Faszination für die Natur und seine Wünsche und Ideen für seine Heimat Vorpommern.

 

 

Frank am Bauerberg © Gross | Rewilding Oder Delta

 

Frank, warum treffen wir uns heute hier am Bauerberg?

Frank: Es ist mein absoluter Lieblingsplatz. Schau dich um! Von hier oben siehst du die ganze Vielfalt Vorpommerns – viel Wasser, Wald, Wiesen, Moore und die Küste mit weißen Wolken überm Horizont.

Was bedeutet die Region Vorpommern für dich?

Frank: Vorpommern ist Heimat für mich. Es ist eine Region voller Bewegung, Weite und reichlich eigenen Erfahrungen. Schon von kleinauf habe ich mich für die Natur begeistert, was sicher damit zu tun hat, wie ich aufgewachsen bin. Ich war viel mit dem Fahrrad unterwegs, bin durch das ganze heutige Mecklenburg-Vorpommern geradelt – das, was damals die drei Nordbezirke der DDR waren. Was ich auch sehr schätze an Vorpommern: Hier leben Menschen, die schon immer hier waren, andere, die zugezogen sind, welche, die gegangen und zurückgekommen sind. Das alles macht Vorpommern so reich – landschaftlich wie menschlich.

Wie bist du zu deiner Arbeit im Rewilding gekommen?

Frank: Letztlich hat mich meine Faszination für die Natur mit Rewilding-Ideen in Verbindung gebracht. Es ist für mich eine Mission geworden, Menschen zusammenzubringen und ihnen zu zeigen, wie eine wildere Natur uns allen nutzen kann.

Du sprichst von „wilderer Natur“. Was verstehst du darunter und was tust du dafür diesen Zustand näher zu kommen?

Frank: Für mich heißt es, der Natur mehr Raum zu geben, beispielsweise wild lebende Tiere zurückkehren oder Bäche und Flüsse natürlicher fließen zu lassen. Es geht aber auch um die hier lebenden Menschen. Ich muss ihre Sorgen kennen, die sie mit einer wilderen Natur verbinden. Denn nur so kann ich Naturbegeisterung wecken, statt nur um Akzeptanz zu bitten. Schließlich wollen wir gemeinsam mehr Natur wagen.Ichhabe häufig erlebt, wie Projekte über die Köpfe der Menschen hinweg geplant wurden, was bisweilen viel Frust erzeugt hat. Ich will das anders machen: zuhören, verstehen, einbinden, gemeinsam handeln.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?

Frank: Eigentlich gibt es den nicht. Viele Gespräche entstehen außerhalb von Bürozeiten – in und besonders nach offiziellen Terminen, in Pausen oder am Lagerfeuer. Manchmal entscheidet gerade diese „freie Zeit“ über den Erfolg eines Vorhabens.

Gab es Momente, in denen du dachtest, dass dein Einsatz hier vor Ort nicht genug bewirken kann und was hat dich motiviert, weiterzumachen?

Wenn Situationen festgefahren sind und Gespräche unsachlich oder gar „ideologisch verseucht“ werden, kann das schon frustrieren. Mich motiviert dann aber, wenn Menschen im Laufe längerer Prozesse wieder zusammenfinden.

Vor welchen Herausforderungen stehst du momentan?

Frank: Naturschutz habe ich bisher sehr zielgerichtet erlebt: auf einzelne Schutzgebiete, auf bestimmte Arten, auf abgegrenzte Projekte. In Vorpommern sehe ich große Chancen, den Blick zu weiten mit Ansätzen, die unter dem Begriff Rewilding zusammengefasst werden können. Ein Umgang mit der Landschaft, die Schutz im besten Fall überflüssig macht, weil wir so sorgsam mit der Landschaft umgehen, dass sie nicht „separat geschützt“ werden muss.

Was treibt dich emotional an?

Frank: Der Gedanke, dass sowohl Menschen als auch Tiere und die Landschaft profitieren, wenn alle respektvoll und in Einklang miteinander leben. Mich beschäftigt aktuell aber auch, wie sehr wir uns in „Blasen“ verfangen haben. Die Herausforderung liegt darin, Ideologien beiseitezulegen, Blasen aufzustechen, wieder mehr miteinander zu sprechen und respektvoll und achtsam miteinander umzugehen.

Welchen Beitrag kannst du für die Lebenslandschaft leisten?

Frank: Ich sehe meinen Beitrag zur Lebenslandschaft vor allem darin, eine koordinierende Anlaufstelle zu sein. Mein Ziel ist es, gute Ideen zu bündeln und Menschen zusammenzubringen.

Was wünscht du dir für die Region?

Frank: Ich wünsche mir, dass wir die Geduld aufbringen, auch lang andauernde Prozesse zu begleiten, bei denen eine Lösung nicht sofort sichtbar ist. Dass es uns so gelingt, wirklich gemeinsam mehr Natur zu wagen und wir eine lebendige Landschaft gestalten. Das ist sehr verbunden mit meiner eigenen Haltung: grundlegend optimistisch zu bleiben, wohl wissend, dass wir die Fehler von morgen noch nicht kennen.

 

Lieber Frank, danke für die Einblicke!