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9.3.2026 News Wildere Natur

Der Biber ist zurück. Und jetzt?

Man sieht ihn selten. Aber seine Spuren sind deutlich: gefällte Weiden, ein aufgestauter Graben, Wasser, das plötzlich länger in der Landschaft bleibt.

Der Biber ist wieder da in Vorpommern. Seit einigen Jahren breitet er sich immer weiter aus. Und mit ihm kommen Fragen. Für Landwirte und Landwirtinnen, für Wasser- und Bodenverbände, für Gemeinden, für Naturschutz und Infrastruktur.

Der Biber baut Dämme, fällt Bäume und staut Wasser. Das gehört zu seinem Wesen. Gleichzeitig verändert er damit Landschaft – manchmal zum Guten, manchmal mit Folgen, die für einzelne Betriebe oder Flächen schwierig werden können.

In unserem Film kommen Menschen aus der Region zu Wort, die genau damit zu tun haben. Sie zeigen, wo der Biber hilft, wo es knirscht – und wo Lösungen entstehen können.

Wenn der Biber Wasser zurückhält

Viele Agrarflächen in Vorpommern liegen in ehemaligen Mooren. Über Jahrzehnte wurden sie entwässert, damit Landwirtschaft möglich ist. Ein dichtes Netz aus Gräben sorgt dafür, dass Wasser abgeführt wird.

Doch die Bedingungen verändern sich.

„Heutzutage haben wir eher mit Trockenheit zu kämpfen“, sagt Landwirtin Heike Kühner. „Da kann es sogar hilfreich sein, wenn ein Biber an einer Stelle einen Damm baut und Wasser zurückhält.“

Was der Biber ganz ohne Genehmigungsverfahren erledigt, würde sonst einen langen Weg durch Behörden nehmen: Wasser stauen, Feuchtigkeit in der Fläche halten, angrenzende Wiesen wieder besser versorgen.

Gerade Grünland kann davon profitieren. Flächen, die früher sehr trocken waren, bekommen wieder mehr Wasser.

Gleichzeitig muss Landwirtschaft funktionieren

So hilfreich der Biber an manchen Stellen ist – Landwirtschaft bleibt Landwirtschaft.

Betriebe müssen Heu und Silage ernten, Tiere versorgen, Maschinen bezahlen und Arbeitsplätze sichern. Wenn Flächen dauerhaft unter Wasser stehen, kann das schnell zum Problem werden.

Dann braucht es Gespräche.

Mit Wasser- und Bodenverbänden.
Mit Naturschutzbehörden.
Mit den Menschen vor Ort.

Denn klar ist auch: Pauschale Lösungen gibt es selten. Jeder Biber baut anders. Jeder Standort ist anders.

Zwischen Wasserabfluss und Naturschutz

Auch für Wasser- und Bodenverbände ist der Umgang mit dem Biber eine Herausforderung. Ihre Aufgabe ist es, für einen schadlosen Wasserabfluss zu sorgen – besonders bei Starkregen.

Gleichzeitig beobachten viele Verbände sehr genau, wo ein Biberdamm vielleicht sogar hilfreich ist.

Denn neben Starkregen gibt es eben auch immer häufiger trockene Sommer. Wasser in der Landschaft zu halten, kann dann ein Vorteil sein.

Das Ziel ist deshalb nicht: Dämme sofort entfernen.
Das Ziel ist: miteinander reden und Lösungen finden, die für alle funktionieren.

Viele Biber – wenig Kapazitäten

Allein im Landkreis Landkreis Vorpommern-Greifswald leben inzwischen über 2.000 Biber.

Und eigentlich müsste jeder einzelne Fall genau geprüft werden.

Früher gab es dafür ein Bibermanagement im Land. Die Teams haben Wasserstände gemessen, Dämme dokumentiert und gemeinsam mit Behörden Lösungen gefunden.

Seit 2023 wird dieses Management nicht mehr finanziert. Viele Aufgaben bleiben nun bei Wasser- und Bodenverbänden, Naturparken oder engagierten Einzelnen hängen – oft ohne ausreichende Ressourcen.

Der Biber bringt auch Leben zurück

Bei aller Diskussion darf man eines nicht vergessen: Wo Biber leben, passiert etwas in der Natur.

In Biberrevieren gibt es meist mehr Fische, mehr Libellen, mehr Vögel. Wasserflächen entstehen, die neuen Arten Raum geben. Landschaft wird wieder lebendiger.

Auch Landwirte sehen das.

„Dass wiedervernässte Lebensräume mehr Arten bringen, ist uns bewusst“, sagt Landwirt Jörg Espig.

Die Frage ist also nicht nur: Biber oder nicht.
Die Frage ist: Wie gehen wir damit um?

Lösungen entstehen oft vor Ort

Manche Ideen kommen aus anderen Regionen. In der Schweiz zum Beispiel werden an gefährdeten Deichen künstliche Biberbaue eingebaut. So bekommen Biber einen Platz, ohne dass sie sich selbst in Deiche graben.

Andere Lösungen sind ganz praktisch.

Bei Rewilding Oder Delta können sich Menschen zum Beispiel ein „Biber-Notfallset“ ausleihen – mit Elektrolitzen, um Bäume oder Flächen zu schützen.

Und manchmal hilft schon Wissen darüber, was erlaubt ist – und was nicht.

Zwei Leitfäden für den Alltag mit dem Biber

Damit Konflikte gar nicht erst eskalieren, haben wir gemeinsam mit Fachleuten zwei kurze Handlungsleitfäden erstellt.

1. Wenn der Biber Probleme macht – was darf ich tun?
Der Leitfaden zeigt einfache Maßnahmen, die Privatpersonen selbst umsetzen können. Zum Beispiel:

  • gefährdete Bäume mit sogenannten Baumhosen schützen

  • Elektrolitzen gegen Biberfraß einsetzen

  • Schäden dokumentieren und richtig melden

Er erklärt aber auch klar, was man aus Naturschutzgründen nicht eigenmächtig tun darf.

2. Biberkunstbau – eine Lösung für sensible Stellen
Der zweite Leitfaden richtet sich an Gemeinden, Verbände und Fachleute. Er zeigt, wie künstliche Biberbaue gebaut werden können – etwa an sensiblen Bereichen.

So bekommt der Biber einen sicheren Platz, ohne Infrastruktur zu gefährden.

Hier können Sie beide Leitfäden herunterladen:

Handlungsleitfaden: Was tun bei Biberkonflikten

Handlungsleitfaden: Bau eines Biberkunstbaus

Am Ende geht es um die gleiche Landschaft

Der Biber verändert Landschaft. Das hat er schon immer getan.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob wir ihn wollen oder nicht – denn er ist längst wieder da.

Die Frage ist: Wie organisieren wir das Zusammenleben?

Viele Menschen in Vorpommern arbeiten genau daran. Landwirte, Wasser- und Bodenverbände, Behörden, Naturschutz, Infrastrukturbetreiber.

Wenn sie miteinander reden, entsteht oft etwas Neues: Lösungen, die Natur ermöglichen – und gleichzeitig die Menschen mitnehmen, die hier leben und arbeiten.

Genau darum geht es in der Lebenslandschaft Vorpommern.

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